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versteinerte Schätze aus der Wattendorfer Lagune

Bis auf weiteres verlängert

frankenland1Ein Inselarchipel unter strahlend blauem Himmel, umspült von einem tropischen Meer. Zwischen Riffen gehen Krokodile und Haie auf Beutezug, an den Stränden legen Schildkröten ihre Eier in den heißen Sand. Seychellen oder Malediven? Nein. Es ist das Meer der oberen Jura-Zeit, das vor 150 Millionen Jahren unser Land bedeckte.

In einem Steinbruch bei Wattendorf, sozusagen vor unserer Haustür, hat sich nun ein großartiges Fenster in diese bizarre, vergessene Welt aufgetan. Gehen Sie mit uns auf eine Zeitreise und lassen Sie sich von den versteinerten Lebewesen, die wir für Sie ausgegraben haben, von dieser geheimnisvollen Welt erzählen!

fisch1 Es war eine große Überraschung, als der Präparator unsres Museums, Thomas Bechmann, vor einigen Jahren unerwartete Fossilfunde aus einem Steinbruch bei Wattendorf (Oberfranken) in das Museum brachte: Fisch- und Krebsreste, in dünne Kalkplatten eingeschlossen. Hätte er die Fossilien in einem Steinbruch bei Solnhofen oder Eichstätt gefunden, wäre es nicht erstaunlich gewesen. Denn dort kommen dergleichen Fossilien in den weltberühmten Solnhofener Plattenkalken beim industriellen Abbau ans Tageslicht. Doch für Oberfranken waren dieses Gestein und diese Fossilien bislang unbekannt.


frankenland2Bei den Wattendorfer Plattenkalken handelt es sich um ein räumlich eng begrenztes Vorkommen, das sich auch nur auf wenige Schichtbereiche innerhalb des Steinbruchs erstreckt. Dafür sind die Gesteine wesentlich fossilreicher als jene der typischen Solnhofener Plattenkalke. Neben Landpflanzen, wirbellosen Tieren wie Schnecken, Muscheln, Krebsen etc, konnten wir innerhalb mehrerer Grabungskampagnen auch eine große Anzahl verschiedener Fische bergen. Besonders hervorzuheben sind dabei mehrere Engelhaie bis zu über einem Meter Länge. Noch spektakulärer sind die Quastenflosser, von denen ein Exemplar das größte und am besten erhaltene sein dürfte, das jemals in Jura-Plattenkalken entdeckt wurde. Nicht genug damit: Die allergrößten Raritäten stellen komplette Schildkröten,  Schlangensaurier, imposante Krokodilreste und ein Flugsaurier dar.

schildkroeteDie Wattendorfer Plattenkalke lagerten sich vor rund 150 Millionen Jahren (Obere Jura-Zeit) in einem Tropischen Flachmeer ab. Sogenannte „Leitfossilien” verraten uns, dass die Gesteine etwas älter sind, als alle bisher bekannten Plattenkalke der Oberen Jura-Zeit. Dieser Umstand äußert sich letztendlich auch in der Tatsache, dass es sich bei vielen Wattendorfer Fossilien um neue, bislang unbeschriebene Arten handelt. Eine ganz besondere Herausforderung für die Wissenschaft.

Neben den sensationellen Fossilfunden können Sie sich in der Sonderschau gleichzeitig über die spannenden geologischen und biologischen Hintergründe der interessanten Jura-Zeit informieren.

doppelfisch
Wichtiger Hinweis
Das Betreten des Wattendorfer Steinbruchs ist aus Sicherheitsgründen streng verboten. Das Verbot wird überwacht. Überdies lohnt es sich nicht, selbst nach Fossilien zu suchen, da die fossilführenden Schichten nur während der Grabungsperioden von Baggern freigelegt werden.

Fossilpaten gesucht
Die Wattendorfer Fossilien bedürfen in der Regel eines hohen präparativen Aufwands. Meist sind die Fossilien noch von Kalkschichten bedeckt, ... weiterlesen


 

Spektakuläres Fischfossil

Ein besonders interessantes und wissenschaftlich wertvolles Fischfossil, das wir im Jahr 2017 im Wattendorfer Steinbruch geborgen hatten, konnte zwischenzeitlich mit Mitteln des Fördervereins „Freunde des Naturkunde-Museums Bamberg e.V.“ präpariert werden. Das außergewöhnliche Fossil wurde im Rahmen eines kleinen Festakts im Steinbruch im Beisein das Landrats Johann Kalb dem Museum übergeben.

Fischfossil
Museumsleiter Dr. Matthias Mäuser (links) erläutert die Besonderheiten des neuen Fossils Herrn Landrat Johann Kalb (rechts) und Herrn Dr. Markus Schorr, Prokurist der Firma Andreas Schorr GmbH & Co. KG.


Es handelt sich um einen sogenannten Kugelzahnfisch, auch Pflasterzahnfisch genannt. Diese ausgestorbene Fischgruppe hatte ihre Blüte mit zahlreichen Arten in der oberen Jura-Zeit. Es waren rundliche, scheibenförmige Fische mit einem Gebiss, das zur Aufnahme und Zerkleinerung hartschaliger Riffbewohner fähig war. Bei dem hier zur Rede stehenden Fossil handelt es sich um eine neue, bislang unbekannte Spezies. Dies ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die Wattendorfer Plattenkalke ein wenig älter sind als die vergleichbaren Vorkommen der Südlichen Frankenalb und die damals dort existierenden Lebewesen evolutionär etwas ursprünglicher waren. Eine Tatsache, die die Wattendorfer Fossilien wissenschaftlich äußerst spannend und interessant macht.

Die aufwändige Präparation des Fossils wurde vom Verein „Freunde des Naturkunde-Museums Bamberg e.V.“ bezahlt. Im Rahmen einer kleinen Feier wurde das Fossil vom Vorstand des Vereins, Prof. Dr. Hans-Peter Ecker, dem Museum übergeben. Da die Fossilfundstelle Wattendorf inzwischen überregionale, sogar internationale Bedeutung genießt, war auch Landrat Johann Kalb zugegen, um seine Würdigung auszusprechen.

Das attraktive Fossil ist derzeit in unserer Ausstellung „Frankenland am Jurastrand“ zu bewundern.
Werden Sie Mitglied bei Freunde des Naturkunde-Museums Bamberg e.V.! Mit Ihrem Mitgliedsbeitrag (oder einer Spende) tragen Sie dazu bei, dass unser Wattendorfer Fundgut präpariert werden kann.

 


 

Schlangensaurier aus den Wattendorfer Plattenkalken in der Ausstellung Frankenland am Jurastrand

Seit nunmehr 15 Jahren führen wir wissenschaftlichen Grabungen im Steinbruch der Firma Andreas Schorr GmbH & Co. KG nahe Wattendorf durch. Die spektakulärsten Funde können Sie in unserer Ausstellung „Frankenland am Jurastrand“ sehen. Vor zwei Jahren ging uns erneut ein besonderer Fang ins Netz: ein großer, wohlerhaltener Schlangensaurier, den Sie nun bei uns sehen können.

Schlangensaurier gehören zur Ordnung der sogenannten Brückenechsen. Diese Tiere unterscheiden sich von anderen Reptilien unter anderem durch eine bestimmte Knochenspange – eine Brücke – im Knochenaufbau des Schädels. Die Blütezeit der Brückenechsen lag in der erdgeschichtlichen Periode des Jura. Heute gibt es nur noch eine einzige Spezies, die Tuataras, die auf einigen Inseln vor Neuseeland leben. Von den Leguan-ähnlichen Tuataras unterschieden sich die Schlangensaurier deutlich im äußeren Erscheinungsbild. Sie hatten einen ungewöhnlich langgestreckten Körperbau, vor allem der Schwanz war extrem lang. Die Gliedmaßen hingegen waren klein, wirken fast verkümmert. Der Grund für diesen schlangenhaften Körper ist durch den Lebensraum bedingt, in dem sich diese Tiere bewegten: Schlangensaurier lebten im Wasser, wo ihnen der stromlinienförmige Körperbau beim schnellen Schwimmen sehr zustatten kam. Der lange Schwanz war vertikal abgeplattet, ähnlich einer überlangen Flosse, und sorgte durch wellenförmige Bewegungen für einen kräftigen Vortrieb.

Funde von Schlangensauriern, die man wissenschaftlich als Pleurosaurier bezeichnet, sind große Raritäten ich Jura-Schichten, beispielsweise in den vergleichbaren Jura-Plattenkalken von Solnhofen und Eichstätt, die ja seit über 200 Jahren in großem Stil abgebaut werden. Doch die erst seit etwa 15 Jahren erforschten Wattendorfer Plattenkalke  gaben bislang schon drei komplette Exemplare und mehrere Fragmente frei. Das jetzt ausgestellte Fossil gehört mit 142 cm Länge zu den größten seiner Art. Das freut auch den Geologen Albert Lenze, der als ehrenamtlicher Grabungsmitarbeiter im Juni 2017 auf das kostbare Fossil gestoßen war. Nach aufwendiger Bergung und rund 250 Stunden diffiziler Präparationsarbeit präsentieren wir Ihnen das Fossil nun in unserer Ausstellung. Schaut`s Euch an!


Schlangensaurier
Albert Lenze betrachtet das Fossil des Schlangensauriers Pleurosaurus sp. in der Ausstellung „Frankenland am Jurastrand“